Expo 2015 in Mailand

Der "Baum des Lebens" auf der Expo.

Der „Baum des Lebens“ auf der Expo.

Vergangenes Wochenende waren Nina und ich zu einem dreitägigen Besuch in der italienischen Modehauptstadt. Auf dem Programm stand neben dem Sightseeing in der mailänder Innenstadt vor allem der Besuch der Weltausstellung Expo 2015 vor den Toren der Stadt.

Gewohnt haben wir in einer kleinen Wohnung, welche wir über AirBnB gebucht hatten. Das Apartment liegt direkt im Navigli-Viertel am neu renovierten alten Mailänder Hafen Ticinese. Am ersten Abend haben wir uns mit unserem Vermieter bei der Schlüsselübergabe getroffen und sind danach gemeinsam ins Nachtleben von Navigli eingetaucht. Die Tipps, die wir von ihm bekommen haben, und alle weiteren kulinarischen Highlights sind am Ende des Artikels aufgeführt.

Die Innenstadt von Mailand

Dank der super Lage unseres Apartments konnten wir die komplette Innenstadt zu Fuß erkunden. Wir sind also in Richtung Norden durch die alten Gassen zum Dom gelaufen. Nach einer Tour über die Domterassen (viele Treppenstufen…) und durch das Innere dieser imposanten Kirche, sind wir in die älteste Shoppingmall der Welt, in direkter Nachbarschaft zum Dom. Die Galleria Vittorio Emanuele beherbergen alle möglichen italienischen und internationalen Luxusmarken und sind durch eine aufwändige Konstruktion komplett überdacht. Vorbei am berühmten Scala Theater mit der Statue von Leonardo da Vinci sind wir zum Schloss Sforzesco im Park Sempione gelaufen.

Abends ging’s mit der U-Bahn in den Norden – nach Garibaldi. Über einen Spaziergang ins südlich davon gelegene Brera, kamen wir zu unserem ersten mailänder Aperitivo. Bei dieser grandiosen Erfindung bestellt man ein Bier, einen Wein oder einen Coktail (möglichst authentisch: Aperol Sprizz), welcher etwas teurer als normal ist, und hat dafür die freie Auswahl an einem kalten Buffet. Aperitivo gibt es normalerweise zwischen 19 und 21 Uhr. Wenn man die beschriebene Kombination aus Getränk und Buffet ein paar Mal wiederholt, ist das Abendessen hinfällig.

 

Fast wie in Lissabon vergangenes Jahr: Die alten, kleinen Straßenbahnen

Fast wie in Lissabon vergangenes Jahr: Die alten, kleinen Straßenbahnen

Die Einkaufspassage Vittorio Emanuele

Die Einkaufspassage Vittorio Emanuele

Der Mailänder Dom von außen...

Der Mailänder Dom von außen…

...und von innen

…und von innen

EXPO 2015 – „Feeding the Planet, Energy for Life“

Nachdem der Freitag im Zeichen der Stadtbesichtigung stand, waren wir am Samstag und Sonntag auf der Weltausstelltung, die von Mai bis Oktober stattfindet und als Motto das globale Bevölkerungswachstum mit der steigenden Nachfrage nach Nahrung hat. Hierzu haben über 50 Länder in einem eigenen Pavillon sich selbst und mögliche Lösungen für diese Aufgabe präsentiert. Weitere 90 Länder waren in kleineren Gebäuden in so genannten Clustern sortiert. Bangladesch, Myanmar und zahlreiche andere Länder haben so Beispielsweise einen Reiscluster gebildet, während Albanien, Serbien, Tunesien und viele andere im mediterranen Cluster organisiert waren.

Nina und ich haben bereits im Vorfeld über expo2015.com ein Zweitagesticket für 47€ gekauft. Mit der Metro kommt man in knapp 20 Minuten vom zentralen Bahnhof Cadorna in Mailand direkt zum Expogelände. Um dieses betreten zu dürfen muss man eine ähnliche Sicherheitskontrolle wie am Flughafen durchqueren. Dieser Prozess funktioniert trotz der Menschenmassen Dank der vielen gleichzeitigen Kontrollen erstaunlich schnell und problemlos, so dass man schnell auf dem Gelände ist. Auf diesem sind alle Cluster und Pavillons entlang einer großen, überdachten Hauptstraße aufgebaut. Um in die beliebtesten Pavillons reinzukommen muss man allerdings bis zu zwei Stunden anstehen – was wir uns nicht angetan haben. Mehr als 30 Minuten sind wir nie gestanden und konnten trotzdem die meisten großen Pavillons besichtigen.

In der Bildergalerie auf das weiße Ausrufezeichen oben links klicken, für die Erklärung zu den Bildern:

 

Da ein Bericht von allen Pavillons etwas zu lang dauern würde, hier meine persönlichen Top’s und Flop’s:

Besonders gut gefallen hat mir…

Ein Hologram in einem der vielen Schaukästen im Pavillon der Vereinigten Arabischen Emirate.

Ein Hologram in einem der vielen Schaukästen im Pavillon der Vereinigten Arabischen Emirate.

Der Pavillon der Vereinigten Arabischen Emirate mit einer beeindruckenden Kino und Hologramm-Show in der die Entwicklung der Emirate der letzten 50 Jahre dargestellt wird und die Probleme, Herausforderungen und Lösungsansätze des Wüstenstaates im Zusammenhang mit der Lebensmittel und Wasserversorgung erklärt werden.

Die Pappen im Einsatz!

Die Pappen im Einsatz!

Der deutsche Pavillon. Mit dem abgewandelten Motto „Deutschland – Feld der Ideen“ zeigt der größte Pavillon auf der Expo sehr detailliert und unterhaltsam mit welchen Innovationen in Deutschland die Nahrungsversorgung vorangetrieben wird und wie wichtig nachhaltiges Handeln ist. Als besondere Innovation für die Ausstellung bekommt man: ein weißes Pappquadrat. Was sich zunächst wirklich sehr langweilig anhört, wird in der Ausstellung schnell ziemlich beeindruckend, wenn nämlich moderne Projektoren an der Decke anhand von bestimmten silbernen Punkten am Rand der Pappe die Lage und die Sprache des Besuchers erkennen und so jeder seinen persönlichen „Fernseher“ dabei hat.  Durch neigen oder senken der Pappe navigiert man durch verschiedene Kapitel oder „Erdschichten“ an den verschiedenen Stationen. Einzig die „Show“ am Ende der Ausstellung, in die man vor dem Ausgang zwangsweise rein muss, hat uns nicht so gefallen. „Deutschland aus der Perspektive einer Biene“ war leider kein Film sondern ein interaktives klatschen und summen aller Beteiligten – einigen Besuchern hat das sicher gefallen, uns und vielen anderen eher nicht so.

Videoprojektion mit Hilfe von Robotern im südkoreanischen Pavillon.

Videoprojektion mit Hilfe von Robotern im südkoreanischen Pavillon.

Gut gefallen hat uns ebenfalls der Pavillon Südkoreas, in dem eine super Verbindung aus hochmoderner Technik uns sehr traditioneller koreanischen Bräuchen im Bezug auf Nahrung gelungen ist. Die großen, weiten Räume haben zum nachdenken angeregt.

Die Schweizer haben mit einer sehr simplen aber raffinierten Idee auf das Problem der Nahrungsversorgung bei wachsender Bevölkerung aufmerksam gemacht. Mit dem Aufzug ist man ins Dachgeschoss des Pavillons mit vier Säulen gefahren. Je eine dieser Säulen war gefüllt mit kleinen Päckchen Salz, Kaffee, Apfelringen oder Wasserbechern, was die Grundlage der Schweizer Nahrung und des Schweizer Wohlstands zeigen soll.

Apfelringli im Schweizer Pavillon.

Apfelringli im Schweizer Pavillon.

Als Besucher durfte man sich so viel man wollte der verschiedenen Päckchen nehmen – der Vorrat wird über die Dauer der Expo allerdings nicht aufgefüllt. Moral der Geschichte ist also, wenn am Anfang die Leute zu gierig sind, bleibt für die Besucher am Ende nichts mehr übrig.

Als letztes Highlight möchte ich noch den israelischen Pavillon erwähnen. In diesem Gebäude dreht sich alles um die Innovationen und Erfindungen aus Israel im Bezug auf Ernährung. Wer wusste zum Beispiel, dass aus Israel die Idee der Tröpfchenbewässerung durch Schläuche direkt an den Wurzeln kommt oder dass Cocktailtomaten dort erfunden wurden, da sie wasserärmer wachsen können? An der Außenwand des Pavillons sieht man das größte „vertikale Feld“ der Welt, welches als Zukunft des Ackerbaus in Städten betrachtet wird.

Das "vertikale Feld" der Israelis.

Das „vertikale Feld“ der Israelis.

Es gab auch ein paar nicht so spannende Pavillons…

Der sehr offen gestaltete Pavillon Brasiliens mit Netz.

Der sehr offen gestaltete Pavillon Brasiliens mit Netz.

Die Dinge die mir nicht so gut gefallen haben möchte ich etwas kürzer fassen. Es gab einige Pavillons durch die wir durchgelaufen sind und uns am Ende gedacht haben, dass es zwar nicht wirklich schlecht war aber so wirklich dem Thema gewidmet hat man sich in dem Pavillon auch nicht. Die Pavillons Aserbaidschans oder Brasiliens sind solche Beispiele. Während Ersterer zwar sehr schön aussieht, aber nur von den tollen Leistungen Aserbaidschan erzählt (nicht im Bezug auf Ernährung), lockt Brasilien mit einem riesigen Netz über die gesamte Ausstellungsfläche, über das die Besucher gehen können. Das ist zwar ganz witzig, die Ausstellung danach ist aber absolut nichts sagend.

Wirklich schlecht fand ich nur zwei Pavillons: Zum einen den der USA und zum anderen den Pavillon der Europäischen Union. Die USA führen ihre Besucher erst vorbei an sieben Videos über amerikanisches Essen. Was auf dem Teller schon nicht zur Haute Cuisine zählt wurde in den Videos noch liebloser und  langweiliger dargestellt. Die eigentliche Ausstellung hat sich dann auf ein paar Bildschirme und Schautafeln beschränkt. Auf der Dachtrasse hatte man zwar eine schöne Aussicht, ansonsten gab es dort aber nicht viel zu machen.

Unterboten wurde der amerikanische Pavillon allerdings noch eindeutig von dem der Europäischen Union. Hier werden die Besucher gezwungen, sich eine mit einzelnen Zeichnungen gestaltete Diashow zum Leben von zwei Protagonisten, einem Bäcker und einer Wissenschaftlerin, anzusehen. Einen Raum weiter sieht man dann einen Animationsfilm in dem sich die beiden Personen näher kommen und am Ende ineinander verlieben. Das Ganze passiert ohne gesprochenen Text (wahrscheinlich um die Dolmetscher zu sparen). Entweder haben Nina und ich beide die Botschaft auf der Metaebene dieses Films nicht verstanden oder er war wirklich so langweilig und am Thema vorbei wie wir ihn fanden. Am Ende dieser Vorstellung kann man sich noch ein Filmplakat mitnehmen und verlässt den Pavillon wieder.

Als wir das komplette Expogelände einmal abgelaufen waren, ist uns aufgefallen, dass einige Länder nicht an der Ausstellung teilnehmen. Ein großer Expo-Auftritt eines Landes kostet schnell über 20 Millionen Euro – dies war einigen großen oder finanziell starken Ländern wie Canada, Australien, Indien oder Singapur wohl zu viel – sie waren nicht vertreten.

Ein gelungenes Wochenende!

Zum Abschluss des Wochenendes haben wir beide ein sehr positives Fazit von der Stadt und von der Expo gezogen. Gerade in Kombination lässt sich beides gut unter einen Hut bringen. Weil Pizza, Aperol & Co. in Italien einfach nochmal besser schmecken als daheim, hier noch die Tipps für das Abendprogramm oder einfach zwischendurch:

Macelleria Popolare
Piazza XXIV Magio 105 
Metzgerstand in einer Markthalle in der die Produkte direkt gegrillt werden. Super für zwischendurch mit einem Glas Weißwein. 

Anema e Cozze
Corso Sempione 41 – www.anemaecozze.com
Sehr leckeres italienisches Restaurant direkt am Navigli Grande.

Radetzky
Corso Garibaldi 105 – www.radetzky.it
In Brera, nördlich der Altstadt. Bekannt für super Aperitivo – hier in der Variante: Sehen und gesehen werden.

Luini Panzerotti
Via Santa Radegonda 16 – www.luini.it
Direkt am Dom und den Gallerien Vittorio Emanuele – immer mit langer Schlange. Hat ein Riesen Sortiment der Panzerotti (gefüllte Teigtaschen) im Angebot.

Tongs
Via Vigevano 19
Hat auch einen super Aperitivo – in parallel zum Navigli Grande. Hier die Variante: günstig und sehr gemütlich.

QPizza
Via Pavia 8
Leckere Pizzen zu super Preisen – quasi keine Touristen, da etwas abseits des Navigli Pavese.

Rita & Cocktails
Via Angelo Fumagalli 1
Einer der besten Cocktails, den ich je getrunken habe! Super Atmosphäre und lustige Barkeeper. Direkt am Navigli Grande.

Porta Ticinese

Porta Ticinese direkt in Navigli

Ein Gedanke zu “Expo 2015 in Mailand

  1. Lieber Jan,
    offensichtlich haben die einzelnen Länder das Thema Ernährung und Nachhal-
    tigkeit der Expo extrem unterschiedlich behandelt. Aus den verschiedenen Berichten sind aber auch sehr positive Ergebnisse ersichtlich. Dass die EU
    nach Ninas´ und deiner Meinung das negativste Beispiel sind, ist in der
    aktuellen Situation kein Wunder. Vielen Dank für die -wie immer- tollen
    Informationen.
    Oma und Opa

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