Entspanntes, schönes, beeindruckendes, erschreckendes Simbabwe

Die trockene Landschaft im Zentrum Simbabwes

Die trockene Landschaft im Zentrum Simbabwes

Mir würden noch deutlich mehr Adjektive einfallen, um dieses Land im Norden Südafrikas zu beschreiben, aber zunächst mal von vorne:

Meine Zeit im Büro in Südafrika ist seit letzten Freitag beendet und so bin ich am Samstag Mittag mit British Airways von Johannesburg in Simbabwes Hauptstadt Harare geflogen. Nach der Hyperinflation der letzten Jahre und einigen politischen Unruhen, verursacht durch einen der wohl selbst in Afrika umstrittensten Präsidenten, Herrn Mugabe, hat sich das Land wieder stabilisiert und den US Dollar als offizielle Währung eingeführt. So ist Simbabwe für Touristen (welche nicht vor haben in Simbabwe politisch aktiv zu werden) ein sehr sicheres aber auch teures Reiseland da gefühlt alles ausser Hirse und Ziegen importiert wird. Selbst das abgefüllte Wasser kommt aus Botswana und Benzin ist immer noch ein Luxusgut.

Kohlekraftwerk in Harare

Kohlekraftwerk in Harare

Im Gegensatz zu Touristen haben Einheimische deutlich mehr unter der politischen und wirtschaftlichen Lage zu leiden. Die Opposition wird unterdrückt, das Kritisieren oder Fotografieren der Regierung oder der Regierungsgebäude wird mit Haft geahndet und im Durchschnitt lebt ein Einheimischer von 2 US$ am Tag.

Der eigentliche Grund wieso ich nach Simbabwe bin, war allerdings nicht der Wille diese Gegensätze zu erleben, sondern um meinem Patenkind von World Vision einen Besuch abzustatten.
Dazu später mehr.

Innenhof meines Hostels

Innenhof meines Hostels

Entspanntes Simbabwe
Meine vier Nächte in „Zim“ habe ich in der It’s a small World Backpacker Lodge im Zentrum von Harare gewohnt. Da Simbabwe die letzten Jahre, wohl meist zurecht, in der westlichen Presse nicht besonders gut weg gekommen ist, ist der Tourismus im Land komplett eingebrochen so dass es außer wenigen, recht teuren Hotels nur noch diese eine Unterkunft für Rucksackreisende gibt. Glücklicherweise handelt es sich bei Small World um ein herausragendes Hostel mitten im Botschaftsviertel (die deutsche Botschaft ist zwei Häuser weiter) auf einem riesigen Grundstück mit Pool, Bar, vielen Liegen und netten Menschen.

Die deutsche Botschaft in der Nachbarschaft.

Die deutsche Botschaft in der Nachbarschaft.

Vor allem letztere haben meinen Aufenthalt dort sehr angenehm gemacht. So war ich mit zwei Kanadiern und einem Engländer direkt am Samstag Abend auf einem Bierfest. Dies sah so aus, dass eine Wiese umzäunt wurde, mittelmäßige, lokale Musiker ins Mikrofon geschrieen haben und wir vier als einzige mit weißer Hautfarbe die absolute Attraktion waren. Die ganze Zeit kamen Leute und wollten Bilder mit uns machen oder haben mir stellvertretend für Jogis Jungs zum Gewinn der Weltmeisterschaft gratuliert.
Am Sonntag haben wir in gleicher Besetzung ein wenig Kultur gemacht und das Heldendenkmal und das Mahnmal des unbekannten Soldaten besichtigt. Glücklicherweise ist beides direkt nebeneinander und wird von dem eigentlichen Highlight, einem Museum zum Unabhängigkeitskrieg gegen die Briten, ergänzt. Dort wird beschrieben wie brutal gegen Shona und Ndebele, die beiden Volksgruppen, damals vorgegangen wurde und dass erst 2011 die Massengräber mit verstümmelten Leichen entdeckt wurden. Das dieser Konflikt sehr einseitig dargestellt wurde ist klar, nichtsdestotrotz wird die Brutalität sehr deutlich.

Museum zum Unabhängigkeitskrieg.

Museum zum Unabhängigkeitskrieg. Die Säule zeigt in welchen Schichten welche Opfer aus welchen Kämpfen gefunden wurden.

 

Skulptur des unbekannten Soldaten aus Nordkorea.

Skulptur des unbekannten Soldaten aus Nordkorea.

 

Die 40 Meter hohe Säule des Ehrendenkmals.

Die 40 Meter hohe Säule des Ehrendenkmals.

Das eigentliche Denkmal ist sehr pompös und wurde netterweise von Nordkorea hergestellt. Die politisch korrekte Erklärung des Tourguides war, dass Nordkoreaner bildhauerisch viel talentierter seien und es sonst keine Sympathien zu Diktaturen im Land gäbe. Nachhaken war unerwünscht.

Entspanntes Fussballschauen in Harare

Entspanntes Fussballschauen in Harare

Hochmoderne Anzeigetafel im Spitzenspiel.

Hochmoderne Anzeigetafel im Spitzenspiel.

Im Anschluss an diesen politischen Teil etwas Kultur: Da wir vier in kurzen Hosen in der staatlichen Kunstgalerie unerwünscht waren haben wir kurzfristig umgeschwenkt und das Fussballderby zwischen Dynamo Harare und „Gelb“ besucht. Für fünf Dollar haben wir uns ein VIP Ticket gegönnt und dann mit mehreren Tausend anderen „Dynamos“ unsere Mannschaft nach vorne geschrien und getrommelt. Wie schon beim Bierfest waren wir gern gesehene Foto-Partner und man hat sich mehrfach bei uns bedankt, dass wir als Europäer und Kanadier dem simbabwischen Fußball die Ehre erweisen. Spielerisch war das Spiel leider eher wie Bremen gegen den HSV momentan.

Eine Allee aus Jacaranda Bäumen in Harare.

Eine Allee aus Jacaranda Bäumen in Harare.

Auch der Montag war sehr entspannt. Mit einem Kolumbianer aus dem Hostel habe ich mir Fahrräder geliehen und bin ein bisschen durch die Hauptstadt geradelt. Was in Johannesburg aus Sicherheitsgründen ziemlich dämlich wäre hat hier viele freundliche Gesichter, „High-Fives“ und „Danke dass ihr nach Simbabwe kommt“ hervorgerufen. Die Straßen in Simbabwe sind immer in rote Lehmerde gehüllt und oft von großen Jacaranda Bäumen gesäumt, die momentan wunderschön blau blühen. Hier habe ich also auch das schöne Simbabwe entdeckt.

Ein Bildhauer auf dem Kunsthandwerkermarkt.

Ein Bildhauer auf dem Kunsthandwerkermarkt.

Zu Besuch bei World Vision
Während dem Schreiben dieses Artikels habe ich mich entschlossen, meinem Besuch bei meinem World Vision Patenkind einen extra Artikel zu widmen, da dieser Artikel sonst doch etwas sehr lang werden würde und ich auf den beeindruckenden und erschreckenden Teil Simbabwes gerne gesondert eingehen möchte. Sobald dieser ausführliche Artikel fertig ist werde ich ihn hier natürlich verlinken.

Kleiner Vorgeschmack: Yu Besuch in Mukumbura bei World Vision.

Kleiner Vorgeschmack: Zu Besuch in Mukumbura bei World Vision.

5 Gedanken zu “Entspanntes, schönes, beeindruckendes, erschreckendes Simbabwe

  1. Lieber Jan, die positiven und negativen Unterschiede in Simbabwe sind wohl
    sehr extrem. Deine Schilderung der gesellschaftlichen Verhältnisse ist beein
    druckend. Die Bilder liefern die passende Ergänzung. Die Kolonialzeit der Europäer in Afrika hat natürlich nicht die besten Erinnerungen hinterlassen. Wobei die jetzigen Verhältnisse auf keinen Fall besser sind. Wir danken für
    den tollen Bericht. Auf Wiedersehen Oma und Opa

  2. Mein lieber Jan,

    unglaublich, welchen so komplett anderen Teil dieser Erde du erlebst.

    Übrigens freuen auch wir uns wieder darauf, wenn wir uns mit dir fotographieren lassen dürfen und dass du bald wieder zu Hause bist.
    Bald können wir euch Weltenbummler wieder ganz herzlich begrüßen !!

    Ich freu mich schon auf den Bericht über deinen Besuch bei Malon.

    Pass auf dich auf, Grüße und Kuss, deine Mama

  3. Hallo Jan.
    Danke für Deinen wieder so intressanten Bericht
    vom anderen Weltteil.
    Es ist enorm was Du jetzt auf Deiner letzten Etappe erlebst.
    Bald ist Eure Zeit zu Ende . Es ist auch an der Zeit hier wieder
    richtig einzusteigen.
    Jch durfte auch einige Tage mit Sandra verbringen
    War 2 Tage bei ihr in Grenoble. Eine intressante Stadt.
    Wir flogen noch 3 Tage nach Barcelona .. Das war für mich ein richtiges Highlight.
    Wünsche Dir dort bis zur Heimreise noch viel intressante Erkundungen
    und freue mich auf ein Wiedersehn hier in Schwäbisch Hall.

    Herzliche Grüße Oma Lilo Bauer

  4. Servus lieber Jan, so kurz vor Ende muss ich mich doch auch mal in Deinem Blog melden! Deine Berichte werden natürlich neugierig von mir verfolgt und dann – etwas verkürzt – an Karsten weiter gegeben :). Ich wünsche Dir noch erfüllte letzte Tage, viel Spaß – und auch ich freue mich dann auf ein gemeinsames „weiß/weiß“ Foto mit Dir! Eine gute und sichere Heimreise, komm gesund wieder. Viele liebe Grüße von Deiner Betzi

  5. Pingback: Zu Besuch bei World Vision - Simbabwe Teil II | Augenzeit

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