Relaxen in Pretoria und Kultur in Johannesburg

Party in den Botanischen Gärten

Party in den Botanischen Gärten

Vor zwei Wochen war ich samstagabends zur Geburtstags-Überraschungsparty meines Vermieters eingeladen in einem typischen afrikaans Restaurant (nur weiße Südafrikaner) in Pretoria. Dort gab es Livemusik, gutes Essen und es war super Stimmung. Im Anschluss sind wir noch in eine weitere Bar gezogen, wo auch die anderen deutschen Praktikanten waren. Den Sonntag haben wir (die Praktikanten von Mercedes-Benz Südafrika) in den botanischen Gärten von Pretoria verbracht. Dort haben zwei Livebands gespielt und man konnte, wie schon bei dem Park Acoustics-Festival, sein eigenes Essen und Getränke mitbringen.

Die anschließende Arbeitswoche war sehr abwechslungsreich, da ich am Donnerstag auf einem Training für den Sprinter mit Allradantrieb und am Freitag auf einer Flug- und Verteidigungsmesse war. Das Training hat mir einen sehr technischen Einblick in den Allradantrieb gegeben und die Fahrtrainings im Anschluss an die Theorie haben auf dem riesigen Testgelände echt Spaß gemacht. Auf dem größten Gelände dieser Art in Afrika testen nahezu alle Autohersteller ihre Fahrzeuge, da diese durch die Höhe (Pretoria und Centurion liegen auf über 1500 Metern) und der extremen Trockenheit einer starken Belastung ausgesetzt sind.

Flugshow der Südafrikanischen Kunstfliegerstaffel

Flugshow der Südafrikanischen Kunstfliegerstaffel

Die Flug- und Verteidigungsmesse (African Air and Defence Show) fand von Mittwoch bis Sonntag auf dem Luftwaffenstützpunkt „Waterkloof“ direkt in Centurion statt. Ich durfte am Freitag von Mercedes aus dorthin. Auf der Messe, welche angeblich die größte der Südhalbkugel ist, haben neben afrikanischen und asiatischen Rüstungunternehmen auch zahlreiche deutsche Konzerne ihre Produkte präsentiert. Allen voran Rheinmetall und Thyssen aber auch einige kleinere Firmen im Verbund mit einem Deutschen Pavillon in einer der Hallen. Da ich noch nie auf einer solchen Messe war, fand ich es auf der einen Seite sehr interessant und faszinierend die Waffen(-systeme) und gepanzerten Fahrzeuge mal „in Echt“ zu sehen und anfassen zu können. Da unter der Woche reine Fachbesuchertage waren, gab es auch genug Möglichkeiten mit den Ausstellern ins Gespräch zu kommen und sich Produkte erklären zu lassen.

Gepanzertes Fahrzeug auf der AAD.

Gepanzertes Fahrzeug auf der AAD.

So habe ich zum Beispiel länger mit einem südafrikanischen Kampfjet-Piloten oder dem Leiter des deutschen Pavillons geredet. Auf der anderen Seite bin ich sehr froh diese, meist tödlichen, oder zumindest furchteinflößenden Produkte (die „selbstverständlich alle nur zu Verteidigungszwecken genutzt werden“) nicht im Alltag um mich zu haben. Auch auf der Messe war ich froh, als ich in den Bereich der zivilen Flugzeuge und Privatjets gekommen bin. Auch eine Firma, die aus ausrangierten Flugzeugteilen Möbel baut war eine willkommene Ablenkung (vor allem die Bar aus einer Turbine!).

Das ist kein Büroturm sondern ein Wohnhaus!

Das ist kein Büroturm sondern ein Wohnhaus!

Am Samstag habe ich mit einem anderen Praktikanten eine Stadtrundfahrt im eigenen Auto durch Johannesburg gemacht. Da manche Sehenswürdigkeiten wie der Constitution Hill schon geschlossen waren und wir es an anderen Ecken vorgezogen haben, nicht auszusteigen, sind wir einfach nur durch das Stadtzentrum gefahren und haben die verschiedenen Viertel angeguckt. Geendet hat unsere Rundfahrt in Mellville. Hier ist es möglich einfach auszusteigen und eine kleine Bartour zu machen oder lecker und traditionell essen zu gehen. Wir hatten einen Springbockkuchen und einen Straussenfleischburger, was beides sehr gut geschmeckt hat. Leider wurde aus dem „auf der Straße rumlaufen“ nichts, da es das erste Mal während meiner Zeit in Südafrika geregnet hat. Regen bedeutet hier nicht nur ein kleiner Nieselschauer sondern Hagelsturm.

Auch der nächste Tag stand im Zeichen von Sightseeing in Joburg. Dieses Mal hat uns ein einheimischer (farbiger) Kollege mitgenommen, was gleich mehrere Vorteile hat. Zum einen kannte er sich super aus was die Geschichte und Sehenswürdigkeiten anging, zum anderen wusste er ziemlich genau wo man aussteigen kann und wo man das lieber unterlässt. Ausserdem wurden wir mit ihm als offensichtlichen Local deutlich weniger angesprochen von Bettlern oder Händlern.

Zutritt nur für Weiße...

Zutritt nur für Weiße…

Die meiste Zeit des Tages waren wir im Apartheid Museum. Dieses Museum war ein ganz anderes Level als wir es aus Swasiland kannten und hat sehr gut und mit vielen (fast zu vielen) Videos und Bildern den Aufstieg und Fall des Apartheidsystems in Südafrika gezeigt.

Meine Karte hat mich als "Nicht-Weiß" klassifiziert.

Meine Karte hat mich als „Nicht-Weiß“ klassifiziert.

Auf der Eintrittskarte bekommt jeder mitgeteilt ob er für die Tour durchs Museum weiß oder farbig ist. Dies entscheidet auch durch welchen Eingang man das Museum betritt und welche Exponate man zu Beginn zu sehen bekommt. Die Hauptausstellung durchlaufen alle Besucher gemeinsam. Seit dem Tod Mandelas im vergangenen Jahr gibt es außerdem eine große Sonderausstellung über das Leben des Nationalhelden. Ich fand die Ausstellung sehr eindrucksvoll und durch die vielen original Exponate und Bilder kann man sehr schnell mitfühlen wie eine solche Spaltung der Gesellschaft ausgesehen haben muss. Besonders wenn man daran denkt, dass die ersten freien Wahlen erst vor 20 Jahren abgehalten wurden und es noch bis 1991 Bänke und Züge gab, die nur Weiße oder nur Farbige betreten durften.

Die Orlando Towers

Die Orlando Towers

Nach dem bedrückenden Apartheidmuseum kam wieder deutlich mehr Farbe in unser Kulturprogramm. Wir haben die Orlando Towers besichtigt. Das sind zwei bemalte, ehemalige Kühlturme eines Kraftwerks, von welchen man heute Bungee-Jumping machen oder sich ins Innere im freien Fall auf ein Netz stürzen kann. Wir haben es bei der reinen Besichtigung belassen und sind anschließend in die South-Western Townships (Soweto) von Johannesburg gefahren. Dieser Verbund von Vororten Johannesburgs in denen (auch heute noch) fast ausschließlich farbige Einwohner leben ist mit über 1,5 Millionen Menschen eines der größten Townships Afrikas.

Vilakazi 8115 - Hier hat Mandela vor und kurz nach seiner Gefängniszeit gewohnt.

Vilakazi 8115 – Hier hat Mandela vor und kurz nach seiner Gefängniszeit gewohnt.

Hier haben wir das Wohnhaus Mandelas besichtigt und danach sehr traditionell mit vielen Einheimischen gegessen.

Das war’s von meinem Wochenende. Nächstes Wochenende geht es wieder etwas weiter weg – nämlich in die Drakensberge an der Grenze zu Lesotho. Nach der Millionenstadt Johannesburg also wieder Natur pur.

 

Zum Abschluss noch eine Galerie mit weiteren Bildern. Wie immer: Ausrufezeichen ob links klicken für mehr Infos.

3 Gedanken zu “Relaxen in Pretoria und Kultur in Johannesburg

  1. Hallo mein lieber Jan,

    vielen lieben Dank für deine Infos!

    Ich hoffe,du verlässt dich weiter auf deinen guten Instinkt und das Gefühl, wo man aussteigen kann und wo nicht!!
    Ich bin gespannt auf deine persönlichen Erzählungen über das Apartheidmuseum und das, was du über Nelson Mandela erzählst.

    Bei uns hat der Herbst Einzug gehalten – Gartentage stehen an – du fehlst ;-)

    Pass weiter gut auf dich auf.

    Ich umarme dich, Mama

  2. Lieber Jan, nach deinem Bericht sind immer noch Spuren der Apartheit in Südaf-
    rika vorhanden, trotz Nelson Mandela und der Schilderung im Museum. Aus un-
    serer Vergangenheit in Deutschland wissen wir aber, dass das kein Grund zum
    Hochmut ist. Deine Schilderungen aus Kultur, Wirtschaft und Gesellschaft sind wie immer ein Gewinn. Pass auf dich auf und weiter eine gute Zeit in Südafrika.
    Herzliche Grüße Oma und Opa

  3. Lieber Jan.
    Wieder hast Du uns einen intressanten Bericht gesendet
    Viele Dank.
    Ich freue mich schon , wenn Du uns dann persönlich
    Deine Erlebnisse schilderst.
    Noch sind es 6 Wochen bis dahin.
    Wünsche DIr weiter eine gute Zeit mit netten Menschen
    die Deinen Weg begleiten.
    Herzliche Grüße Oma Lilo Bauer

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