Von Studieren und Karneval

Nachdem bisher nur Berichte über die Reisen um Sevilla rum erschienen sind, heute mal etwas mehr über die Uni. Seit Anfang Januar studiere ich an der Universidad Pablo de Olavide im Südosten von Sevilla. Die Universität, welche erst 1997 gegründet wurde, zeichnet sich, im Gegensatz zur Universität von Sevilla oder der DHBW in Stuttgart, durch einen geschlossenen Campus aus. Dadurch haben wir nicht nur alle Kurse und Vorlesungen immer nahe beieinander, sondern auch verschiedene Cafeterias und Sportfelder in direkter Umgebung. Der Nachteil ist, dass ein solcher Campus für über 11000 Studierende nicht in der Innenstadt Platz hat, und wir deshalb jeden Morgen ca. 20 Minuten mit der Metro aus der Altstadt ins Randgebiet von Sevilla fahren müssen.

Für einen Eindruck der Entfernung:

Unsere Uni, die UPO, ist bei vielen Spaniern sehr beliebt für ihre Doppelabschlüsse und Übersetzungs-Studiengänge. Hier kann man beispielsweise gleichzeitig Jura und BWL studieren, bekommt von beiden Studiengängen einen Bachelor Abschluss und entscheidet sich erst im anschließenden Master, in welchem Fach man sich spezialisieren möchte. Außerdem studieren sehr viele Übersetzung für zwei Sprachen gleichzeitig, zum Beispiel Englisch/Deutsch, Französisch/Italienisch usw…. Dass der Wille, Sprachen zu lernen, seit der Krise deutlich ausgeprägter ist bei jungen Spaniern, ist zunächst ja sehr erfreulich. Allerdings hat das reine Studium der Sprachen auch zwei entscheidende Nachteile, die nicht nur wir Austauschstudenten so sehen, sondern auch viele Spanier mit denen wir gesprochen haben: Zum Einen kann man ein solches Studium nicht mit einem Dolmetscher-Studium in Deutschland Vergleichen. Fast alle Studenten haben vor Studiumsbeginn nur Englisch in der Schule gelernt und fangen so mit mindestens einer Sprache komplett neu an. Am Ende des Studiums kann man also kaum davon ausgehen, dass die Sprachkenntnisse so gut sind, um im Alltag als Dolmetscher oder Übersetzer zu arbeiten. Das zweite Problem knüpft daran an: Wo arbeiten alle diese Übersetzer? Da nur das Übersetzen von Sprachen studiert wurde, nicht aber eine bestimmte weitere Qualifikation, werden es viele nicht gerade einfacher haben, einen Job zu finden. Trotz der guten Sprachkenntnisse. Immerhin dieses Problem lösen einige, indem sie gleichzeitig ein anderes Problem bekämpfen: Durch die Perspektivlosigkeit im spanischen Arbeitsmarkt (bis zu 60% Jugendarbeitslosigkeit), wird einfach noch ein weiteres Fach studiert, bis sich die Situation bessert.

Kurse und Qualität

Die Kurse wurden uns im Rahmen eine Lernvereinbahrung sehr streng von der DHBW vorgegeben. Dies ist nötig, damit die im Auslandssemester erbrachten Leistungen auch in unserem Studium an der DHBW anerkannt werden können.

Von den fünf Kursen die wir belegen, werden drei Kurse in Englisch unterrichtet, zwei auf Spanisch (davon ein Spanisch-Sprachkurs). Dieses Angebot lockt nicht nur Leute wie mich an, ohne ausgeprägte Spanisch Kenntnisse, sondern auch zahlreiche Amerikaner und Kanadier, die ebenfalls Spanisch erst noch lernen müssen oder wollen und trotzdem in „ihrer“ Sprache weiter studieren können.

Die Qualität der Vorlesungen empfinde ich persönlich als eher durchwachsen. Auf der einen Seite gibt es sehr spannende und unterhaltsame Kurse wie Unternehmensführung (Entrepreneurship) auf Englisch, oder Spanische Zivilisation und Kultur (auf Spanisch). Auf der anderen Seite gibt es aber auch eher langweilige Klassen wie International Finance (viel davon hatten wir an der DHBW bereits) oder Organisations-Theorie, welche sich mit der Organisation und dem Aufbau von Firmen beschäftigt. Der an sich eher trockene Stoff, wird leider zusätzlich von einem nicht-wirklich-organisierten Dozenten mit verbesserungsfähigen Englischkenntnissen gelehrt.

Die Bewertung der Kurse erfolgt komplett anders als an der DHBW. In Stuttgart wird am Ende des Semesters, wie an vielen deutschen Unis üblich, eine Klausur geschrieben, die dann zu 100% die Note der jeweiligen Vorlesung bestimmt. An der UPO schreibt man jedoch Zwischenklausuren, welche oft fast so viel zählen wie die Endklausur im Mai. Außerdem zählen Projekte, Mitarbeit und kleine Tests mit in die Note. Ich finde diese Art der Benotung besser, da auf diese Weise nicht so viel Druck auf den Semesterklausuren liegt, und man auch mit einer nicht so guten Note noch die Chance hat, am Ende zu einem guten Resultat zu kommen.

Nicht besonders schön, aber alles nahe beieinander! © Universidad Pablo de Olavide

Nicht besonders schön, aber alles nahe beieinander! © Universidad Pablo de Olavide

Campusleben

Da wir jeden der fünf Kurse nur drei Stunden pro Woche haben, kann man sich leicht ausrechnen, dass unsere Tage nicht allzu vollgepackt sind. Obwohl ich Freitags frei und Donnerstags nur eine Vorlesung habe, gibt es an den anderen drei Tagen auch Lücken zwischen den einzelnen Vorlesungsblöcken. In dieser Zeit gehe ich entweder auf die Sportanlagen der Uni (Semesterbeitrag einmalig 55 Euro) oder in eine der Cafeterias. Vorzugsweise natürlich in das Open-Air Restaurant, in dem es Fastfood und andere leckere Dinge für wenig Geld gibt. Was man an Geld und Kalorien beim Fitnessstudio spart bzw. wegtrainiert, ist also umgekehrt bei der anderen Aktivität. Geld weg, Kalorien wieder da.

Ansonsten gibt es von dem international Office, welches uns Austauschstudenten betreut, ein so genanntes Intercambio Programm. Bei diesem Austausch bekommt man eine Studentin oder einen Studenten zugeteilt, der in unserem Fall entweder deutsch oder englisch lernen möchte. Im Gegenzug haben wir die Möglichkeit unser spanisch zu verbessern. Das geschieht entweder ganz automatisch, indem man sich einfach trifft und sich über alles mögliche unterhält, aber auch indem man die Möglichkeit hat, bei Fragen zu Hausarbeiten oder ähnlichem einen Muttersprachler um Hilfe zu bitten.

Besuch aus Deutschland

Vor lauter Uni soll hier nicht der Eindruck entstehen, dass wir keine Freizeit mehr haben. Daher kamen vor zwei Wochen ein Freund von mir und eine Cousine von Nina uns besuchen. Neben dem kulturellen Pflichtprogramm (Kathedrale, Tapas-Essen, Stadt angucken) haben wir vor allem am Abend einige Highlights der Stadt oder der Region präsentiert. Eines dieser Highlights war auch für Nina und mich einmalig, nämlich der Besuch beim Karneval von Cádiz, etwa eine Stunde südlich von Sevilla.


Cádiz liegt auf einer Insel im Meer und ist nur durch zwei Brücken mit dem Festland verbunden. In der Faschingswoche, kommen in die Stadt mit sonst nur 120000 Einwohnern über 2 Millionen Besucher aus ganz Spanien und Europa! Während es tagsüber traditionelle Faschingsumzüge gibt, bevölkern nachts Tausende verkleidete die Straßen, trinkend und tanzend.

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Wir sind über eine Organisation für Austauschstudenten dorthin gefahren und konnten durch die Abfahrtszeiten der Busse ausschließlich an der nächtlichen Aktion teilnehmen: Um 20 Uhr Abends war Abfahrt in Sevilla und um 5 Uhr am nächsten morgen ging es zurück von Cádiz in Richtung Bett (Sevilla). Der Vorteil dieser unüblichen Zeiten liegt auf der Hand: Man muss keine Übernachtung zahlen!

Am Mittag darauf sind wir mit einem Mietwagen nach Málaga gefahren, da unser Besuch von dort aus wieder zurück nach Deutschland geflogen ist. Da wir bei unserer Andalusienrundfahrt bereits in Málaga waren, hier nur noch eine kleine Ergänzung: Nina und ich sind auf die maurische Festungsanlage Alcazaba in Málaga hochgelaufen, von wo aus man einen traumhaften Blick über die Stadt und den Hafen hat:

Ausblick: Viel unterwegs!

Das war’s an Neuigkeiten für heute. Ich habe mir aber vorgenommen wieder etwas regelmäßiger zu schreiben. Gelegenheit dafür gibt es die kommenden Wochen genug: Nächste Woche gehts nach Madrid, danach nach Barcelona. In der Karwoche gehen wir mit der Uni an die portugiesische Algarve und anschließend nach Marokko! Außerdem sind in dieser Woche noch die berühmten Osterprozessionen in Sevilla! Daher: regelmäßig vorbeischauen lohnt sich.

Zum Abschied noch ein kleiner Gruß ins durchwachsene Deutschland:
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4 Gedanken zu “Von Studieren und Karneval

  1. Hallo mein lieber Jan, immer wenn ich deinen Blog lese, denke ich: die beiden machen es richtig. Eine tolle Mischung zwischen Pflicht, Entdecken und Spass.

    Ich freu mich riesig auf die Tage bei euch.

    Ganz viel Spass in Madrid und Barcelona, pass auf dich auf, ganz liebe Grüße auch an Nina,

    deine Mama

  2. Lieber Jan.
    Danke für Deinen wieder intressanten Blog.
    Kann mich nur widerholen. Es ist einfach enorm was Jhr erleben dürft ,
    Selbst den Karneval habt Jhr dort erlebt
    Gut ist auch ,daß wir mal über Eure Uni und wie es dort abläuft
    erfahren haben.
    Wünsche Euch bei Euren weiteren Unternehmungen viel Spß
    und gutes Wetter, Auch gute Noten bei Euren Arbeiten.
    Herzliche Grüße Oma Lilo Bauer

  3. Es ist immer wieder spannend, deine Berichte zu lesen, toll, dass du uns so ausführlich über deinen Alltag an der Uni und euere Unternehmungen in der Freizeit informierst. Danke dafür. Euere Uni ist ja eine Stadt für sich.
    Wir wünschen dir, ja euch, weiterhin viel Erfolg und Freude bei allem was du vorhast. Auf die weiteren Berichte freuen wir uns schon.
    Liebe Grüße, deine Oma und Opa = M. + H.

  4. Lieber Jan,
    deiner Mutter stimme ich voll zu-da ist nichts mehr hinzuzufügen!
    Danke für die vielen Infos! Freue mich schon auf Mai, wenn wir nach Sevilla kommen und bin jetzt schon sehr gespannt auf Sandras Bericht;-)))!
    Weiter so, viel Spaß und Erfolg im sonnigen Süden,
    Anja

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