Zwei Tage in der Wüste

Nach unserer Übernachtung in Muscat ging es morgens mit dem Bus vom ZOB Ruwi in Muscat nach Ibra, einer Kleinstadt ungefähr 20 Kilometer vor unserem Wüsten Camp.
Über Ibra selbst gibt es nichts besonderes zu berichten. Wir haben das erste mal auf unserer Reise für eine Übernachtung bezahlt, da es keine Couchsurfer gab. Das Hotel war sehr zentral und das Preis/Leistungs-Verhältnis in Ordnung. Wir haben im Waschbecken ein paar Kleidungsstücke gewaschen und danach im Zimmer getrocknet.
Danach gings zum Abendessen in ein Restaurant auf der anderen Strassenseite. Wir haben unseren Augen nicht getraut
als dort zehn Omanis wie gebannt vor dem Fernseher saßen und das Spitzenspiel Braunschweig gegen Hertha Berlin angesehen haben.

Ibra am Abend und Wäsche im Hotelzimmer:
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Allein in der Wüste
Am nächsten Morgen sind wir mit dem Taxi ins 25 Kilometer entfernte Al-Qabil gefahren, wo die Firma, die das Wüstencamp betreibt, eine Gasthaus unterhält. Von diesem Haus sind wir nach einer zweistündigen Wartezeit von einem Fahrer mit Jeep abgeholt worden und ins Wüstencamp Al-Areesh gefahren, welches nur 15 Minuten im Inneren der Wüste Sharqiya Sands liegt.
Da in jedem Reiseführer und auf jeder Internetseite steht, dass im Dezember absolute Hochsaison sei, haben wir natürlich vorab eine Hütte reserviert. Umso grösser war die Überraschung, als wir dort ankamen und die einzigen Gäste waren.
Zum Glück kam am späteren Nachmittag ein junges Neuseeländisch-Englisches Paar. Da das Camp, welches in Dünen eingebettet liegt, über 30 Hütten mit jeweils drei bis fünf Schlafplätzen hat, kann man sich vorstellen wie es dort auch hätte zugehen können.
Wir haben nun die Ruhe genossen (solange kein Auto im Anmarsch ist hört man gar nichts) und sind gegen später Sandboarden gegangen (mit einem Alten Snowboard die Dünen runter).
Neben Frühstück und Abendessen war zum Glück Wasser rund um die Uhr inklusive.
Da das Paar sehr nett war und mangels Alternativen zur Beschäftigung saßen wir noch drei Stunden nach dem Abendessen zusammen und haben uns über alles mögliche Unterhalten.

Hier ein paar Aufnahmen aus dem Camp:
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Morgens um 6:30 Uhr in der Wüste:
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Kamele, Shisha, Sand und noch mehr Sand
Der nächste Morgen begann pünktlich um sieben Uhr mit Frühstück um der grossen Hitze über die Mittagszeit auszuweichen. Anschliessend sind wir mit dem Paar zum sogenannten Dune Bashing gefahren, also dem hoch und runter Fahren mit einem stark motorisierten Jeep. Hat keinen Sinn und verpestet die Umwelt, macht aber Spass.
Anschliessend sind wir zu einem kurzen Kamelritt gefahren und danach zurück ins Camp, wo das Paar dann weitergereist ist.

Felix und ich haben beschlossen, mit unserem Fahrer vom vorherigen Dune Bashing, Abdullah, eine zwei stündige Wüstentour zu machen, inklusive Besichtigung eines Beduinen Dorfes. Das „Dorf“ bestand aus vier Hütten in denen ausnahmslos die Familie von Abdullah gewohnt hat. Nach einem arabischen Kaffee, Datteln und Mini-Mandarinen sind wir weiter in das Wüstental gefahren und Abdullah hat uns seine Kamele gezeigt. Solange sie nicht schwanger oder krank sind, laufen diese völlig frei durch die Wüste und kommen selbständig alle paar Tage zurück zu ihren Besitzern.
Abdullah hat uns erzählt, dass fast jede omanische Familie in dieser Region Kamele züchtet und mit ihnen an Rennen teilnimmt. Ein Rennkamel das grosse Rennen in Abu Dhabi, Dubai oder Muscat gewonnen hat, kann für bis zu eine Million Rial (2 Millionen €) verkauft werden. Abdullah geht jedoch den sicheren Weg und verkauft seine Kamele immer als Jungtiere bevor sie an Rennen teilgenommen haben, da dann das Potenzial noch unbekannt ist. Für ein Jungtiere mit guten (erfolgreichen) Eltern erziele er problemlos 5000-6000 Rial. Bei einem Durchschnittsgehalt von 600-800 Rial/Monat immer noch eine sehr gute Einnahmequelle.
Nachdem die Kamele abgehakt waren, sind wir mit dem Allrad-Toyota weiter durch die Wüste. An einer Stelle hat sich der ansonsten geniale Fahrer Abdullah leicht verschätzt, so dass wir einen Wüstenbusch ausgraben und das Loch mit Sand auffüllen mussten, bevor wir weiter konnten.
Nach zwei Stunden, gegen 11:30 Uhr, waren wir wieder zurück im Camp und hatten uns schon überlegt, was wir den ganzen Nachmittag über machen sollten.
Da hat uns Abdullah eingeladen, mit ihm Mittagessen zu gehen und danach Shisha (Wasserpfeife) zu rauchen. Wir waren sofort dabei.

Es gab sehr leckeres traditionelles Essen in einem kleinen Restaurant. Wir haben wieder auf dem Boden und mit den Händen gegessen. Darin waren wir ja schon fast Profis ;)
In der Shishabar im Anschluss hat jeder seine eigene Wasserpfeife bekommen, und hat das WLAN ausgenutzt, was in dieser Region nicht so häufig anzutreffen war. Erstaundlich viele Omanis haben dort die Mittagsstunden verbracht, unter anderem alle Freunde von Abdullah. Eine sehr hübsche Marrokanerin hat er uns augenzwinkernd als seine Freundin vorgestellt. Im Gegensatz zu Hussein aus dem letzten Artikel hat er sich also zur ersten Variante der Partnersuche entschieden, der westlich-modernen.

Hier nochmal ein paar Impressionen. Viele Bilder mehr von der Spiegelreflexkamera  im Abschlussartikel.
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Dieser Busch und die Kuhle davor musste weg:
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Kamele sind überall und laufen frei herum:
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Gegen vier Uhr Nachmittags waren wir zurück im Al-Areesh Camp und zu unserer Erleichterung kam kurz danach ein weiterer Jeep mit zwei Touristen an. Diese kamen aus Cambridge in England und haben leider nicht nur jedes englische Klischee erfüllt („You might wanna‘ bring me a Tea“ – „Of course darling“) sondern waren auch überaus unfreundlich uns gegenüber. Er sah aus wie ein englischer Kolonialherr mit Tropenhut und kurzen Hosen und sie hatte nicht nur einen ähnlichen Namen wie Mrs. Piggy von Winnie Pooh. Da beide uns weder begrüssen noch über sonst was reden wollten, hat dies der überaus nette omanische Tourguide der beiden übernommen. Er sei auch schonmal in Deutschland gewesen und fahre Mercedes, nur für die Wüste seien deutsche Autos Schrott, ließ er uns wissen.

Das Abendessen ging dank sehr eingeschränkten Gesprächsthemen mit unseren Engländern Peggy und Paul (er ist Medizin Professor in Cambridge) recht flott. Der nette Tourguide der beiden hat leider nicht im Camp übernachtet.

Am Mittwoch Morgen sind wir von einem Fahrer des Camps zu einer Bushaltestelle gefahren worden, von wo aus wir nun den Bus Richtung Sur nehmen. Dort übernachten wir zwei Nächte in einem Hotel und wollen eine Schlucht und den Strand erkunden. Bericht folgt.

Bis bald,
Jan

9 Gedanken zu „Zwei Tage in der Wüste

  1. Lieber Jan,
    zuerst danke für deinen Anruf aus dem Wüstencamp; die Verbindung war ja sehr
    gut. Deine Berichte lassen uns direkt an Euren Erlebnissen teilhaben und wir bekommen auch eine kleine Vorstellung von der Offenheit wie Gastfreundschaft der dort lebenden Menschen . Wir sind gerade von dem Weihnachtsmarkt in Lud-
    wigsburg gekommen: so verschieden ist die Welt! Viele Grüße, dein Husbi.
    Lieber Jan, auch von mir ganz herzliche Grüße an dich und Felix.
    Wir sind begeistert, wie ausführlich und spannend du berichtest, interessanter
    als jeder Reiseführer! Wir freuen uns auf deine Rückkehr und auf all das,
    was du dann zu erzählen hast. Alles Liebe, Dein M. = Oma

  2. Hallo mein lieber Jan,

    wenn ich abends aus dem Büro komme, mitten aus dem Weihnachtsgeschäft, sind deine Berichte vom anderen Ende der Welt ein Genuss!! Danke!
    Kannst du so ein Rennkamel mitbringen? Vielleicht erzielen wir hier auch Gewinne….

    Ich hab mich so gefreut, dass du angerufen hast. Ich hab überhaupt nicht mit dir gerechnet….

    Schon jetzt freue ich mich auf nächsten Mittwoch, mein Schatz.

    Bis bald, viele Grüße, deine Mama

  3. Hallo Jan,
    Danke für Deinen weiteren hochintessanten Bericht u.Bilder.
    Du bist ein perfekter Berichterstatter,wie Du Eure Erlebnisse schilderst.
    Für mich ist es total neu, daß junge Menschen so etwas unternehemn .
    Freue mich, wenn, Du dann auch mal hier von Euren Eindrücken berichtest.
    Wünsche Euch für die letzten Tage noch intressante Begegnungen
    Liebe Grüße aus Schwäbisch Hall Oma Lilo Bauer.

  4. Hallo liebe Oma Lilo Bauer aus Schwäbisch Hall,
    ich kenne sie zwar nicht persönlich, habe aber nur Bestes gehört!! Auf Sie ist in diesem Blog einfach Verlaß und so schicke ich Ihnen und allen anderen lieben Kommentatoren auf diesem Weg viele Grüße aus Bietigheim Ihre Ingrid Stratmann

    • Hallo Frau Stratmann,
      Danke für Jhre lieben Grüße aus Bietigheim.Für mich ist es ein Geschenk mit diesen jungen Menschen so einen Bericht
      miterleben zu dürfen.
      Freue mich, wenn Jan dann hier seine Eindrücke schildert
      Wünsche Jhnen noch eine friedliche Adventszeit
      und viele Grüße aus Schwäbisch Hall Jhre Lilo Bauer.

  5. Hallo Jan,

    super Bericht aus der Wüste, echt klasse. Das mit den beiden „verry British“ Engländern hätte ich Dir gleich sagen können. Von dieser Sorte habe ich im Geschäft in London die Verwandschaft sitzen…die haben allen nen Knall.

    Achja, bitte mir auch so ein Kamel mitbringen. Dem bringen wir schnelles Rennen bei und dann holen wir uns die Knete ab. Wobei ich es hier, auf dem Weg ins Geschäft, an der A81 entlang auch gut einsetzen könnte.

    Viel Spass noch, bleibt sauber und kommt gesund zurück.
    Viele Grüße
    Claus

  6. Liebe Lesenden,

    auch ich/wir finden die Reiseberichte inklusive Fotos total interessant und spannend. Erneut vielen Dank dafür, Jan.
    Zusätzlich ist es für mich neu aber auch total lustig, die Kommentare zu lesen und ich sage nur eins: die Kommentare von Oma Lilo Bauer werde ich am Wochenende meiner Mutter (79 Jahre und sehr stolz darauf, ein Handy benutzen zu können, wenn sie ihr eigenes Telefonklingeln erkennt) unter die Nase reiben, die mit Mühe und Not einen PC von außen erkennt, wenn er vor ihr steht.
    Also : Respekt für Oma Lilo und die herzlichsten Weihnachtsgrüße an die weiteren blog-Konsumenten sowie Jan und Felix
    Hans und Katja (Eltern von Felix)

    • Liebe Eltern von Felix,

      Herzliche Grüße aus Schwäbisch Hall.
      Danke für Jhre netten Worte
      Es ist für mich ein Geschenk so etwas noch miterlebn
      zu dürfen.
      Wünsche Jhnen eine gesegnete Adventszeit
      Liebe Grüße Lilo Bauer

  7. Pingback: Dubai & Bilder | Augenzeit

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