Welcome to Jakarta

Ein Bier kostet 20’000, eine billige Übernachtung 90’000 und am Geldautomat holt man mal eben eine Millionen. Ab 18 Uhr bricht der Verkehr komplett zusammen, Hotels wie Hyatt, Hilton & Co. übertreffen sich mit beeindruckenden Bauten und nebenan stapelt sich der Müll und die Menschen die von der Hand in den Mund leben.

Willkommen in Indonesien, Willkommen in Jakarta, der widersprüchlichsten und unentwickeltsten Stadt in der ich je war.

Selbst der LonelyPlanet Reiseführer sagt, es sei nicht einfach Jakarta zu lieben und warnt vor einigen Vierteln zu bestimmten Uhrzeiten.

Angekommen in Jakarta
Doch nun von Anfang: Ich bin am Donnerstag Abend in Jakarta am Soekarno-Hatta International Airport gelandet und schon die Einreise hat war interessant. Zunächst kauft man bei der „Bank“ ein Visum für 25 US$. Das Wechselgeld bekommt man zu einem lausigen Kurs in Indonesischen Rupien zurück. Dann geht man zum Immigration Schalter. Alle Schilder sind jedoch nur auf Bahasa Indonesia (so ähnlich wie Malaysisch), so dass das Zurechtfinden schwer fällt. Beim Immigration Schalter angekommen wurde ich so wie noch nie mit Fragen zu meiner Reise gelöchert. Das lag vielleicht daran, dass in Jakarta nicht wirklich viele Backpacker ankommen, dazu noch wenig Alleinreisende. Eventuell hatte der Beamte auch einfach nur einen miesen Tag bzw. Spaß daran, mir Fragen zu stellen. Nachdem ich ihm unter anderem erzählt hatte, wo ich herkomme, wo ich auf meiner Reise schon war und von wo ich heimfliege hat er gemeint ich muss zwingend eine Hotel-Adresse in das Einreiseformular eintragen. Dass musste ich offiziell bisher in jedem Land es hat aber nie jemand gemeckert wenn dort keine Adresse stand, weil ich mir ja immer erst ein Hostel gesucht habe.
Offiziell wohne ich also jetzt im „Le Meridien“ in Jakarta. Dessen Adresse stand nämlich auf einem Werbeplakat hinter dem Beamten ;)

Inoffiziell schlafe ich zu einem Bruchteil des Preises in einer sehr heruntergekommenen Absteige in der Jalan Jaksa (so heißt die Strasse) im Zentrum von Jakarta.

Überblick über Jakarta vom
Nationaldenkmal aus:

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Ein Tag in Jakarta ist genug!
Am Freitag morgen habe ich mich morgens auf Erkundungstour durch die 9 Millionen Einwohner Stadt aufgemacht. Zunächst bin ich zum Nationaldenkmal gelaufen. Einer 130 Meter hohen Säule die der Saatsgründer und Diktator Soekarno in den 60er Jahren hat aufstellen lassen. Vorhin habe ich einen jungen Journalisten im Bus getroffen der meint, sie wird inoffiziell von allen nur „Soekarnos letzte Erektion“ genannt, weil dieser kurz danach abgetreten ist.
Erektion hin oder her, für nur 1000 Rupias (10 Cent) hat man einen Super Ausblick von der obersten Etage dieser Säule.

Soekarnos letzte Erektion ;), die Flamme auf der Spitze leuchtet nachts:

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Im Keller befindet sich das „Museum der Geschichte Indonesiens“ das man ebenfalls für die 1000 Rupias ansehen kann. Wer jetzt an ein umfangreiches Nationalmuseum denkt wird enttäuscht: das „Museum“ besteht aus 40 Schaukästen in denen mit Holzfiguren geschichtliche Szenen dargestellt sind sowie zu jedem Schaukasten eine Tafel auf der in fehlerhaftem Englisch die Taten von Soekarno und seinem Nachfolger gelobt werden und ausschließlich erwähnt wird wie die bösen Holländer als Kolonialherren besiegt wurden. Über Fehler der Regierung und interne Konflikte wird nichts gesagt. Außerdem endet die Geschichte Indonesiens scheinbar 1986 denn danach gab es wohl keinen Platz mehr für weiter Schaukästen.

Beispiel für solch einen informativen Text:

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In Jakarta gibt es keine richtige Kanalisation, alles fließt in einen der Flüsse!:

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Nach diesem kurzen Ausflug in die indonesische Geschichte bin ich in die Mesjid Istiqlal, die drittgrösste Moschee der Welt, zu einer Führung gegangen. Für verhältnismäßig teure 4 Euro hat mir ein Privat-Guide eine Stunde lang die Moschee von innen gezeigt. Wie schon in Kuala Lumpur musste ich wieder einen stylischen Umhang anziehen, diesmal in grau. Dafür durfte ich diesmal die Gebetshalle betreten und diese war beeindruckend! Die Kuppel hat einen Durchmesser von 45 Metern (Indonesiens Gründungsjahr 1945). Gebaut wurde sie von 1967-1979. Außerdem haben in der Haupthalle 50 Tausend Betende Platz! In der gesamten Mosche mit allen Stockwerken und dem riesigen Aussenplatz haben über 200’000 Menschen Platz zum beten! Am Ende des Ramadan wird diese unvorstellbare Zahl dort versammelt sein. Jetzt während des Ramadan sind zu den Gebeten immerhin 30-40 Tausend Menschen pro Gebet in der Mosche!
Außerdem hat der Guide mehrfach betont, dass in Indonesien Frauen und Männer zwar getrennt aber doch immerhin in dem gleichen Raum beten dürfen und man von der Mosche die grösste Kathedrale noch aus der Kolonialzeit sehen kann und dies die Einigkeit der Religionen auf Java zeige. Man hat wohl mitbekommen mit welchen Vorurteilen viele westliche Reisende eine Mosche besuchen.

Der Gebetsraum der Mosche:

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45 Meter Durchmesser, die Kuppel:
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Diese Schilder zeigen überall im Umkreis von Moscheen wo Mekka ist:
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Aussenansicht der Mosche:
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Nach diesem interessanten Ausflug bin ich mit einem TransJakarta-Bus (der einzigen ÖPNV-Verbindung in Jakarta) in das Kolonialviertel Kota gefahren. Dort stehen zwar viele schöne niederländische Häuser, ansonsten wird diese Gegend aber vor allem von ärmeren Menschen bewohnt. Man sieht sehr viele Bettler, Tagelöhner oder. Leute die Souvenirs verkaufen. Ich frage mich nur an wen, da ich die „erkennbaren“ Touristen heute an zwei Händen abzählen konnte.

Dort habe ich, wie schon den ganzen Tag, gemerkt, wie selbstverständlich es für uns ist, dass jeder zumindest ein wenig englisch spricht. Denn in Indonesien ist dies alles andere als selbstverständlich. Die wenigstens können überhaupt ein Wort, geschweige denn beschreiben was sie verkaufen (bei Essen) oder wie viel etwas kostet (bei allem).

Holländisches Gouverneurshaus:

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An dieser „Küche“ hab ich Mittag gegessen:
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Jeder hat einen Kühlschrank? Von wegen! Der Eismann bringt Eis in Blöcken. Wie lange die bei 35 Grad und mehr halten bleibt fraglich:
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Ich habe also in Kota irgendeine Suppe mit Reis für knapp 60 Cent gegessen und bin anschließend mit dem TransJakarta-Bus ins Business- und Shoppingviertel gefahren. Im Gegensatz zu der ersten Fahrt ist zu dieser Zeit am frühen Abend der Verkehr komplett zusammen gebrochen. Wen wundert’s bei 9 Millionen Einwohnern ohne U-Bahn. Unzählbare Mopeds, Autos und Busse haben um die Wette gehupt ohne auch nur einen Zentimeter voran zu kommen. Umso glücklicher war ich, dass ich auf dieser Busfahrt einen jungen indonesischen Journalisten kennen gelernt habe, der mir ein bisschen was erzählt hat und besser über die neuen Bundesligaspieler Bescheid wusste als ich. Sein größter Traum sei einmal Sankt Pauli live spielen zu sehen. Und danach nach New York.
Auf diese Weise verging die einstündige Busfahrt für drei Kilometer doch recht schnell.
Im Businessviertel angekommen habe ich nicht nur das Le Meridien das erste mal live gesehen sondern auch zahlreiche andere Hotelketten, Shoppingcenter sowie McDonalds, KFC und so weiter. Nach einem Abendessen in einem der Foodcourts sowie einem Besuch im HardRock Café Jakarta bin ich wieder zu meinem wirklichen Hostel in die Jalan Jaksa gelaufen.

Das bescheidene Grand Hyatt Mit Shoppingcenter unten drin:

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Verkehrschaos in Jakarta:
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Ein langer und eindrucksvoller Tag war das. Genau lange genug um Jakarta mal zu erleben und die Gegensätze zu sehen. Morgen, am Samstag, fahre ich sehr früh ins Landesinnere von Java, nach Cianjur wo ich zwei Nächte bei einer Privatfamilie wohnen und eine Teefabrik besuchen werde. Organisieren kann man das über folgende Organisation: Cianjuradventures.

Der nächste Artikel kommt also dann mit richtigen indonesischen Erfahrungen. Bis dann, euer Jan

3 Gedanken zu “Welcome to Jakarta

  1. Lieber Jan,
    die Informationen werden immer vielfältiger und die UNterschiede in kultureller, wirt-
    schaftlicher und sozialer Hinsicht krasser. Danke für die Bilder der großen Moschee, dem Gouverneurspalast und den Hotels. Vielleicht hast du in den letzten
    Tagen eine ruhigere Zeit erlebt. Deine Reise ist ja nicht nur eine Erlebnis- sondern
    vor allem eine Kulturreise und auch für uns sehr spannend.
    Liebe Grüße
    Dein Opa und Deine Oma

  2. Pingback: Eine Woche durch Marokko | Augenzeit

  3. Pingback: Swasiland | Augenzeit

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